Dieser helle, warme Sonntag war von Anfang an wie extra für unsere Wanderung gemacht.
Elisabeth Schneider hatte im Namen des Alpenvereins eingeladen, nach Heidelberg zu fahren und den Heiligenberg zu besteigen – für uns, Weinheimer – ein ungewohntes Ziel.
Das schöne Wetter lockte Wanderfreundinnen und Wanderfreunde zum Treffpunkt am Alten OEG-Bahnhof. In der OEG-Bahn nach Heidelberg und auch am Start der Wanderung kamen noch weitere WanderInnen dazu, darunter herzlich willkommenene Gäste, sodass die 20-köpfige Gruppe nach der Begrüßung bereit war, die Wanderung zu beginnen.
Die Tour startete in der Brückenstraße, bereits in Sichtweite des Neckars, und gleich setzte der Anfang des Philosophenweges mit seinem steilen Anstieg einen kräftigen Akzent.
Wie der Weg zum Namen kam? Diese Namensgebung geht darauf zurück, dass Heidelbergs Universitätsprofessoren, Philosophen und auch Studenten auf diesem Weg einen Ort fanden, an dem sie intensive Gespräche und Reflexionen mit dem anmutigen Blick auf den Neckar und die Altstadt.
Obwohl auch Dichter und Denker darunter Eichendorff, Hölderlin und Scheffel diesen Weg frequentierten, verweist der Name primär auf die Studenten, die früher als „Philosophen“ bezeichnet wurden.
Kurz bevor der Weg richtig schön wird und den Blick auf die Heidelberger Altstadt, das Schloss und den Königsstuhl freigibt, stehen am Weg einige Physikalische Institute der Universität, deren Wissenschaftler sich sicherlich durch gelegentliche Schritte im Freien inspirieren ließen. Auch die sonstigen privaten Bauten in der Nähe „der Physik“ sind schön anzuschauen und zu bewundern.
Nachdem wir Sonne, Blumen und Aussicht genossen hatten, ging es weiter im kühlen Schatten der Bäume in Richtung Ziegelhausen zum Tal des Mausbaches, das zum Landschaftsschutzgebiet im Stadtteil Ziegelhausen gehört.
Hier gab es von 1890 bis 1919 ein Bergwerk zum Abbau von Mangan, allerdings waren damals die Erträgnisse unbefriedigend. Noch zu sehen ist der vergitterte Eingang des mehrere Hundert Meter langen Stollens. Vor drei Jahren rodete das Forstamt eine 2000 Quadratmeter große Fläche rund um den Mausbachstollen, zu dem ein angelegter Holzsteg im Bereich eines Biotops die Wanderer führt.
Das Gebiet und auch Kleingewässer um das Mausbach sind wichtige Laichhabitate für besonders geschützte Amphibienarten wie Erdkröte, Grasfrosch, Feuersalamander, Berg- und Fadenmolch.
Nach dieser kleinen Besichtigung war der Anstieg auf schmalem Pfad zum Stickelsplatz an der Mausbachquelle vorbei durchaus willkommen.
Vom Stickelsplatz, der auf der 433 Metern Höhe liegt und eine mehrfache Kreuzung von Wanderwegen zu verschiedenen Zielen bildet, wählten wir die Hochstraße zwischen dem Weißen Stein und dem Heiligenberg, womit unsere Richtung schon klar war.
Die Holdermannseiche am Wegrand ist hohl und verführt zu allerlei akrobatischen Übungen, die eifrig fotografiert wurden.
Bald erreichten wir den Zollstock, wo einige alte Wege unweit vom Heiligenberg sich kreuzen. Hier ist gut zu rasten, mit reichlich Sitzgelegenheiten, dazu eine Schutzhütte „Schlossblickhütte“ für schlechtes und zu gutes Wetter und sogar einer breiten Sichtschneise auf die Heidelberger Altstadt.
Nach der Rast stand der Heiligenberg (439 m) auf dem Plan – ein überaus geschichtsträchtiger Ort, beginnend mit der Jungsteinzeit vor etwa 7500 Jahren und endend mit neuzeitlichen Forschungsgrabungen. Die jüngste Attraktion ist eine kleine, sehenswerte historische Ausstellung mit einem Relief in der Nähe der Gaststätte „Waldschenke“ und des großen Parkplatzes, die die Örtlichkeit und die Reihenfolge der wichtigsten Funde und Gebäude zeigt.
Unsere Runde auf dem Heiligenberg begann mit den imposanten Ruinen des Michaelsklosters; eingeschlossen sind Reste eines römischen Mercuriustempels.
Nach der obligatorischen Besteigung des großen Turms, von dem aus man das gesamte Gelände erfassen konnte, ging es weiter zur Thingstätte aus dem Jahr 1935. In den Zeiten des Nationalsozialismus wurde der Ort für ideologisch aufgeladene Veranstaltungen genutzt und erscheint entsprechend monumental.
Elisabeth hat in der Ankündigung der Wanderung einige der Sehenswürdigkeiten noch genauer beschrieben, so dass ich mir die Wiederholung spare.
Jedenfalls kamen die Sehenswürdigkeiten bei der Wanderung noch richtig zu Ehren: das Stephanskloster, das Heidenloch, die Merianskanzel und der Bismarckturm, bevor zum guten Schluss nochmals der Philosophenweg mit der blumenreichen Eichendorff-Anlage begangen wurde, diesmal mit leichtem Schritt, weil abwärts, aber durchaus immer noch mit neugierigen Augen.
Bei der Abschlussrast auf der Terrasse des Ruderklubs Heidelberg „Zum Achter“ dankten wir Elisabeth Schneider für diesen außergewöhnlich schönen Tag.
HS 9.9.25











