Hier der vollständige Text des Artikels von Alex Wenner, der am 25.08. in der Zeitung (Weinheimer Nachrichten) erschien:
Anfang des 20. Jahrhunderts fanden bergbegeisterte Aktive zusammen, um Sektionen innerhalb des Alpenvereins zu gründen. Die Vereine machten sich zur Aufgabe, die von britischen und einheimischen Bergpionieren bereits angegangene Erschliessung des Alpenraumes im goldenen Zeitalter des Alpinismus, auf breiter Ebene weiterzuführen. Die Bergwelt wurde zugänglich gemacht. Zu diesem Zweck gründeten im Januar 1906 sechzehn Weinheimer die DAV Sektion Weinheim. Unter dem Vorsitz von August Walliser wurde der Grundstein für die später rege Vereinsarbeit gelegt.
Odenwaldwanderungen, Fahrten in die Alpen, Lichtbildervorträge und eine erste Bücherei mit Literatur zum Bergsteigen wurden organisiert. Treffen fanden im Cafe Rheingold statt. In den zwanziger Jahren ist der Alpenraum bereits erschlossen und weiterführende Ziele der Sektion Weinheim wurden neu formuliert. Erstmals warnt Professor Rohrschneider, der als Vorstand mehr als 25 Jahre den Verein prägte, vor den Gefahren der Übererschliessung des Alpenraumes, ökologische und geologische Erkenntnisse hatte man bereits vertieft.
Nach dem zweiten Weltkrieg suchte Anna Fischer, viele Jahre Schriftführerin des Vorstandes, frühere Mitglieder persönlich auf, um das Vereinsleben zu reaktivieren. Kletterausfahrten zum Hohenstein und in die Pfalz wurden ab 1955 organisiert. 233 Mitglieder zählt der Verein 1967.
Zeitsprung ins Jahr 1976. Ernst Henning übernimmt den Vorstandsposten. Mittlerweile zählt der Verein mehr als 1000 Mitglieder. Die folgende Ära wurde geprägt durch Innovationen, aber auch durch Herausforderungen. Der vom Schuster mit Manchon besohlte Schuh wich dem industriell gefertigten Kletterschuh. Mit verbesserter Hardware und modernen Trainingsmethoden wurde schwerer geklettert, das Freiklettern hielt Einzug in die Kletterwelt. Bergsteiger, Kletterer, Tourengeher, Wanderer, Senioren und Jugend unter einem Dach der Sektion, wurde zum Ort der Begegnung. Man traf sich mittlerweile im Hotel Karlsberg aufgrund der Räumlichkeiten. Ausbildungen zum Eisklettern & Bergsteigen, Kletterfahrten in die Alpen und nach Südamerika, aber auch Klettertreffs in Schriesheim hatten sich etabliert, allerdings war der nahe Steinbruch in „Schriese“ von einer Sperrung bedroht. Ernst suchte daraufhin um Weinheim nach einem passenden Gelände, um die Angebote des Vereins effektiv auszuüben.
Nach intensiven Verhandlungen gelang es Henning mit dem Bauunternehmen Hördt einen Pachtvertrag abzuschliessen im Birkenauer Tal, dessen Steinbruch nur noch als deren Lagerplatz genutzt wurde, die Steinbrucharbeiten waren eingestellt. Die Freude über den nun „eigenen“ Steinbruch mobilisierte viele Mitglieder zum Helfen. Hans Stumpf, der spätere Geländewart und Hans Walter engagierten sich und koordinierten die Einsätze an der Wand. Den ganzen Winter 1984 hindurch wurde das total verwilderte Areal aufgeräumt, abgeräumt, die alten Barracken der Steinbruchmitarbeiter abgerissen und neue Klettertouren eingebohrt. O-Ton Walter: „Wir saßen um das Feuer in den Pausen und an manchen Tagen erschienen Mitglieder, die ich vorher noch nie, und danach nie wieder gesehen habe“. Bereits im April 1985 konnte der Klettergarten eingeweiht werden bei einer grossen Eröffnungsfeier.
Der ehemalige Steinbruch erhielt den Namen Jakobswand, benannt nach dem Gründer des Bauunternehmens Hördt und erste Klettertouren wie der Touristenweg, eine Mehrseillängentour von Hans Walter konnte geklettert werden. 1986 wurde die heute stehende Jakobshütte in Angriff genommen. Ein Coup gelang Henning mit dem Kauf des angrenzenden Grundstücks: 1988 stürzte ein Teil der Begrenzungsmauer zur B38 ein. Henning: “ Für die Firma Hördt war das eine teure Überraschung“. Für den DAV Weinheim allerdings ein Glücksfall. Unter dem Druck der erheblichen Kosten entschloss sich die Firma Hördt zum Verkauf des gepachteten Grundstücks, das heutige DAV Kletterzentrum ist seitdem Eigentum des DAV.
Die folgenden Jahre galten der weiteren Gestaltung. Anfang 2000 kaufte der DAV weiteres Gelände, unter Leitung von Hans Henninger, den heutigen wichtigen Parkplatz am Eingang des DAV Kletterzentrums. 2025 zählt der Verein mehr als 3000 Mitglieder. Heute fühlt man sich unter der Jakobswand wie einem fantastisch schön angelegten Garten. Kletterer am neuen Kletterturm, der 2023 fertig gestellt wurde, an der Jakobswand und Klettersteiggeher genießen die Wand und jeden Sommer wird groß das Sommerfest des DAV gefeiert, 2025 wird es ein Spätsommerfest sein. Der im Juni geplante Termin musste wegen eines instabilen Blocks im Sektor Touristenweg an der Jakobswand verschoben werden. Die Felssicherungsmaßnahmen dauerten bis in den August an.
Der DAV Weinheim lädt Besucher, ob Kletterer oder Nicht-, zum Fest am Samstag, den 13.09. 2025 ein. Zwei Jubiläen gibt es zu feiern. 40 Jahre Jakobswand und 20 Jahre Karola-Steig, der als schwerster Klettersteig nördlich der Alpen gewertet wird. Los gehts um 12 Uhr, ein Programm wird es auch geben. Alle interessierten Besucher dürfen kostenlos auf dem Gelände der Jakobswand in der Birkenauer Talstrasse 99 in Weinheim klettern. Anfänger und Kinder werden von ehrenamtlichen Helfern beim Klettern am Turm oder in der Felswand betreut und angeleitet. Für das leibliche Wohl sorgen Mitglieder der Deutsch-Ukrainischen-Gesellschaft.
Bitte vormerken: Am 6. November 25 kommt der Extrem- und Profibergsteiger Ralf Dujmovits mit seinem Vortrag – Alle 14 Achtausender- 19:30 Uhr ins Moderne Theater nach Weinheim. Karten können bereits jetzt in der Geschäftsstelle des DAV und bei Diesbach Medien gekauft werden, als auch beim Sommerfest.
Text: Alex Wenner
Fotos: Hans Stumpf, Wolfgang Pluschke & Alex Wenner






